PRESSESPIEGEL
22. November 2005, Börsen-Zeitung
IPO des Biodiesel-Herstellers im Entry Standard geglückt — 300 Mill. Euro schwer
Von Daniel Schauber, Frankfurt
Bio boomt. Bei Äpfeln und Birnen gilt das schon lange, und auch die Aktienmärkte erfasst der Trend. Die Schweizer Biopetrol Industries AG wurde am Montag von Equinet erfolgreich ins Biotop Börse verpflanzt. Die zu 8,20 Euro ausgegebenen Aktien des Biodiesel-Herstellers schossen bei ihrer Erstnotiz in Frankfurt um 9 % auf 8,90 Euro in die Höhe. Am Ende des Tages notierte das Papier mit 8,20 Euro aber wieder exakt auf dem Ausgabepreis.
Das IPO im neu geschaffenen Entry Standard der Deutschen Börse ist auch seines Volumens wegen der Rede wert: Der via Privatplatzierung heringeholte Emissionserlös beläuft sich auf immerhin 73,8 Mill. Euro, wovon 57, 4 Mill. Euro dem Unternehmen zufließen. Aus dem Stand hat sich Biopetrol mit einer Marktkapitalisierung von gut 300 Mill. Euro zum marktschwersten Wert im Entry Standard, der ein gutes Dutzend Unternehmen umfasst, emporgeschwungen. Da die Schweizer beabsichtigen, binnen Jahresfrist einen Wechsel in einen regulierten Markt zu prüfen, könnte sich das Unternehmen im SDax wieder finden. Derzeit liegt der Streubesitz allerdings nur bei 24 %.
Mit Biopetrol schlägt gut zwei Monate nach EOP Biodiesel ein weiterer Hersteller von Biokraftstoff an der Börse Wurzeln. Auch wenn es ein Bio-Siegel für Aktien nicht gibt: Wo Bio draufsteht, ist jetzt auch am Kapitalmarkt immer öfter Bio drin. Mit der Vorsilbe schmückten sich bislang vor allem Pharma-Firmen, die auf Biotechnologie setzen-wie Biogen oder Biotest-oder der Medizinprodukte-Hersteller Biolitec. Bei der längst insolventen Biodata AG handelte es sich gar um einen Datenverschlüsselungsspezialisten.
Nicht nur für Öko-Freaks
Aber auch bei Biopetrol muss man kein Öko-Freak sein, um das Papier zu mögen
— auch wenn die Website der Schweizer in penetrantem Grün daherkommt, das
Management über die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie schwadroniert
und „umweltfreundliche Energieversorgung“ als wichtiges Element der Unternehmensphilosophie
herausstellt. In Zeiten hoher Rohölpreise ist Dieselkraftstoff aus nachwachsenden
Rohstoffen eine Alternative, die auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.
Schon heute darf normalem Diesel bis zu 5 % Biodiesel beigemischt werden. Das Management wedelt mit Wachstumskurven, die an Neuer-Markt-Zeiten erinnern: Der Umsatz von Biodiesel in Europa soll sich innerhalb der nächsten sechs Jahre vervierfachen. Einen entscheidenden Unterschied zu Neuer-Markt-Zeiten gibt es: Biopetrol ist profitabel. Aus Erlösen von 57 Mill. Euro in den ersten neuen Monaten wurde ein Betriebsergebnis (Ebit) von 4 Mill. Euro sowie einen Nettogewinn von gut 2 Mill. Euro gezogen.
Derzeit stellt Biopetrol mit 63 Mitarbeitern nur im brandenburgischen Schwarzheide rund 150 000 Tonnen Biodiesel sowie 30 000 Tonnen des Koppelprodukts Pharmaglycerin pro Jahr her. Nun wird ein zweites Werk in Rostock gebaut, ein drittes ist in Deutschland und ein viertes in Benelux vorgesehen. Ob es die Biodieselhersteller schaffen, wie die Solarindustrie einen Hype auszulösen? Die Aktien des (wesentlich kleineren) Vorgängers EOP Biodiesel, die zu 7,60 Euro emittiert wurden, notieren jedenfalls zwei Monate nach dem IPO mit 10 Euro noch deutlich über dem Ausgabepreis.
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