BIOPETROL INDUSTRIES AG
NEWS:

PRESSESPIEGEL

(zurück zur Übersicht)

5. Dezember 2005, Börse Online

Ein Treibstoff der anderen Art

Aktien aus dem Bereich der alternativen Energien sind in. Davon profitieren die beiden Hersteller von Biodiesel, die im neuen Entry Standard notieren. BÖRSE ONLINE untersucht die Aussichten.

Für einige Tage schien es, als seien Anleger dem Raps-Rausch verfallen. Die Aktien des Börsenneulings EOP Biodiesel schnellten um 130 Prozent nach oben. Mehr als der gesamte Streubesitz wurde täglich umgeschlagen. Doch der Hype verflog schnell wieder: Drei Monate nach der Erstnotierung liegt der Kurs nur noch um drei Fünftel über dem Ausgabepreis von 7,60 Euro. Ruhiger verlief der Start des zweiten Newcomers Biopetrol Industries. Offenbar haben die Ausschläge bei EOP manchen Spekulanten abgeschreckt. Das Duo notiert im Entry Standard des Frankfurter Freiverkehrs. In beiden Fällen wurden die Aktien vom Finanzhaus Equinet über eine Privatplatzierung an institutionelle Anleger verkauft.

Es erfolgte kein öffentliches Angebot, so daß Privatanleger bei der Emission außen vor blieben. Auch wurde kein Prospekt erstellt, was eine erhebliche Einschränkung bei der Transparenz bedeutet, zumal beide Gesellschaften nur über eine Historie verfügen. Biopetrol will allerdings freiwillig den Berichtspflichten des Prime Standard folgen und demnächst in dieses Segment wechseln. Das in der Schweiz ansässige Unternehmen stellt in Schwarzheide in Brandenburg unter anderem 150 000 Tonnen Biodiesel im Jahr her. Das entspricht etwa 7,5 Prozent der Inlandskapazität. Das zweite Werk wird in Rostock gebaut. Zwei Anlagen in Süd- oder Westdeutschland sowie in Benelux sollen folgen. So soll die Kapazität bis 2008 auf 750 000 Tonnen steigen. Mittelfristig will Biopetrol zu den führenden fünf Anbietern in Europa zählen. Im laufenden Jahr sollten die Erlöse rund 80 Millionen Euro erreichen. In zwei Jahren dürften es bereits 300 Millionen Euro sein. Und der Gewinn je Aktie könnte auf mehr als 50 Cent emporschnellen.

Der deutlich kleinere Konkurrent EOP plant eine Vervierfachung der Kapazität auf 132 500 Tonnen Biodiesel. Ursprünglich hatte EOP nur eine Verdoppelung angepeilt. Die neue Anlage soll Anfang 2007 in Betrieb gehen. Die Nummer eins hier zu Lande ist der US-Agro-Riese Archer Daniels Midland. Dessen Tochter Oelmühle Hamburg notiert ebenfalls an der Börse. Allerdings sind die Handelsumsätze extrem gering, so daß Investments wenig sinnvoll erscheinen. Dank der Förderung durch die Politik und der starken Ölverteuerung steht der aus Raps und anderen Pflanzen gewonnene Diesel vor einem starken Wachstum. Eine Richtlinie der EU sieht vor, bis 2010 den Anteil von Bio-Kraftstoffen auf 5,75 Prozent zu erhöhen. Die Quote für 2005 beträgt zwei Prozent. Ölkonzerne mischen dem Normaldiesel vermehren bis zu fünf Prozent Bio-Sprit bei.

"Europa steht vor einem kontinuierlich steigenden Diesel-Defizit", warnt Christoph Dicks, Chief Executive Officer von Biopetrol. Denn der Anteil der Dieselfahrzeuge nimmt stetig zu, doch die Herstellung des Kraftstoffes stößt an Grenzen. Raffinerien können Diesel nämlich nur in konstantem Verhältnis zu Ottokraftstoff produzieren. Einzelne Länder wie Österreich schreiben die Beimischung von Biodiesel per Gesetz vor. Auch die Bundesregierung plant eine solche Verpflichtung. Darüber hinaus bastelt die EU-Kommission an einem entsprechenden Vorstoß. In Deutschland könnte im Gegenzug die Befreiung von der Mineralölsteuer wegfallen.

Das könnte kleine Hersteller, die Flottenbetreiber versorgen, in Bedrängnis bringen. Dicks hingegen sieht die Diskussion gelassen: "Für uns ist entscheidend, daß gefördert wird, weniger, wie die Förderung erfolgt." Gut möglich, daß dem Solar- ein Bio-Dieselboom folgt. Doch die Risiken sind beträchtlich. So kann der rasante Ausbau zu Verwerfungen bei der Versorgung mit Ölsaaten führen. Auch können Veränderungen des politischen Rahmens für Turbulenzen sorgen. Die Bewertung erschien sehr ambitioniert: So zahlt die Börse für jeden der 63 Mitarbeiter von Biopetrol stolze fünf Millionen Euro.

Helmut Kipp

(zurück zur Übersicht)

Download als PDF: 051205_bo.pdf [252 KB]

[ Home | Sitemap | Impressum | English | Nederlands ]

Drucken

Empfehlen