PRESSESPIEGEL
23. Juni 2006, Börsen-Zeitung
Kurseinbruch von über 40 Prozent — Steuerpläne drücken schon auf die Marge
po Frankfurt — Der Entry Standard hat seine nach Neosino zweite große Bewährungsprobe. Die Aktien der Schweizer Biopetrol AG rauschten am Donnerstag im Xetra-Handel um zeitweise bis zu 47 % auf 9,25 Euro in den Keller. Der von der Marktkapitalisierung schwerste Wert des Segments schmolz auf 380 Mill. Euro zusammen. Ausgelöst wurde das Debakel von einer Gewinnwarnung des Unternehmens.
Biopetrol spüre schon heftigen Margendruck aufgrund der seit Monaten anhaltenden politischen Diskussion um eine möglich volle Besteuerung von herkömmlichem Treibstoff beigemischtem Biokraftstoff mit 15 Cent je Liter. Reiner Biodiesel soll nach den Überlegungen von 2007 an mit 9 Cent je Liter belastet werden. Eine Entscheidung ist aber in Berlin noch immer nicht gefallen.
Biopetrol sitzt in der Klemme, denn die Schweizer sind auf das Beimischungsprodukt spezialisiert. Sie beklagen nicht nur die Steuerpläne, sondern vor allem, dass die nach EU-Vorgaben mögliche Beimischungspflicht erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen ist. Dies aber führe dazu, dass Biodiesel-Verträge für die zweite Jahreshälfte unter starkem Margendruck stünden. Diese Tendenz dürfte sich noch verschärfen, so dass an den Zielen für 2006 nicht mehr festgehalten werden könne. Wie 2007, wenn Biopetrol seine Kapazitäten auf 750 000 Jahrestonnen Biodiesel und 90 000 Jahrestonnen Pharmaglyzerin ausgebaut haben will, laufen werde, hänge von dem dann geltenden regulatorischen Umfeld ab. An den Ausbauplänen werde festgehalten.
Chef geht
Auch wenn die Argumentation der Schweizer, die im November über eine Privatplatzierung
zu 8,20 Euro je Aktie 73, 8 Mill. Euro Emissionserlös erzielten (vgl. BZ vom
22.11.2005), plausibel erscheint, gibt es am Markt Zweifel. Diese werden noch
dadurch geschürt, dass Biopetrol zugleich bekannt gab, dass der Vorstandschef
Christoph Dicks kurzfristig zum Monatsende das Unternehmen "auf eigenen Wunsch
und aus persönlichen Gründen" verlässt. Die Biopetrol-Aktie war seit Börsenstart
rasch bis auf 31,70 Euro in die Höhe geschossen, womit das Unternehmen mit
über 1 Mrd. Euro und damit einem Vielfachen des erwarteten Jahresumsatzes
bewertet wurde.
Der tiefe Sturz der Biopetrol-Aktie zog auch die deutsche EOP Biodiesel in Mitleidenschaft. EOP ist deutlich kleiner als Biopetrol und stark auf die Produktion reinen Biodiesels fokussiert. Die hier geringere Besteuerung gilt über die Wertschöpfungskette als leichter verkraftbar, zumal EOP über ihr Kapazitätswachstum von Kostendegressionseffekten profitiert. Gleichwohl gaben auch die EOP-Aktien zeitweise bis zu 16,5% auf 12,55 Euro nach. EOP Biodiesel waren im September zu 7,60 Euro an den Markt gekommen und notierten in der Spitze im April/Anfang Mai bei 22,05 Euro.
EOP Biodiesel bedauert, dass die Entscheidung über die künftige Besteuerung von Biokraftstoffen abermals verschoben wurde. "Die Unsicherheit schadet Herstellern, Verbrauchern und Anlegern gleichermaßen", sagte CFO Karl-Wilhelm Giersberg. "Mit einer moderaten Besteuerung von Biodiesel (B 100) könnten wir aber leben." Gleichzeitig bestätigte Giersberg die Umsatz- und Ergebnisziele 2005/2006.
Download als PDF: 060623_bz.pdf [163 KB]
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