PRESSESPIEGEL
Ausgabe: 06/15, Börse Online
Angetrieben durch den hohen Ölpreis dürfte der Verbrauch an Ethanol und Biodiesel in den nächsten Jahren kräftig zunehmen. Mit zwei Zertifikaten können Anleger davon profitieren.
George W. Bush hat seine grüne Ader entdeckt: In seiner Rede zur Nation hat er Biodiesel und Ethanol als zwei der wichtigsten alternativen Energiequellen für die USA bezeichnet, machen sie doch das Land weniger abhängig vom Erdöl. Deshalb ist Ethanol in den Staaten groß im Kommen. Seit 2000 hat sich die Produktion dort verdoppelt. Inzwischen erzeugen die Amerikaner sogar mehr Biokraftstoff als Brasilien. Dort spielt der Umwelttreibstoff schon seit Jahrzehnten eine große Rolle. In mehr als 50 Prozent aller Fahrzeuge im größten Land Südamerikas wird Ethanol Benzin beigemischt.
Auch die EU hat das Potenzial des Biosprits erkannt. Die Dieselkraftstoff-Norm DIN EN 590 erlaubt die Beimischung von Biodiesel. Innerhalb der EU sollen bis 2010 sechs Prozent des Spritverbrauchs aus Alternativquellen stammen. Die Internationale Energieagentur prognostiziert sogar, dass bis zum Jahr 2020 weltweit gut 30 Prozent des Treibstoffs aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.
Denn neben ökonomischen Gründen — Ethanol und Biodiesel sind in den meisten Ländern billiger als herkömmliches Benzin und Diesel — sprechen auch ökologische Gründe für eine stärkere Nutzung von Biosprit. Er reduziert nämlich die CO2-Emissionen gegenüber fossilen Kraftstoffen deutlich.
Ethanol wird vorwiegend in Süd- und Nordamerika, Biodiesel in Europa eingesetzt. Das hat anbauspezifische Ursachen: Ethanol besteht zum großen Teil aus Zucker und Mais, Biodiesel dagegen aus Raps und Sojaöl. Zudem gibt es in Europa mehr Dieselautos als in Amerika.
Mit 83 Prozent Anteil an der weltweiten Produktion von umweltfreundlichem Treibstoff ist Ethanol gegenüber Biodiesel (17) der eindeutig wichtigere Markt. Das spiegelt sich auch in der Gewichtung des globalen Biofuel-Index wider, der die Rohstoffe für beide Biospritsorten enthält (siehe Tabelle links). Biodiesel besteht aus Sojaöl und Raps, Ethanol vorrangig aus Mais und Zucker. Den Preis der Agrarprodukte bestimmen aber neben dem Biosprit noch andere Faktoren. Das sind die Nachfrage nach Lebensmitteln, Ernten, Wetter und politische Einflussgrößen.
Mit einem UBS-Zertifikat kann man auf den Biofuel-Index setzen, der sich auf die Futures der einzelnen Rohstoffe bezieht. Nur ein Teil des Anlegergeldes geht in den Future, das meiste wird festverzinslich angelegt. Die entstehenden Zinsen behält UBS ein. Halbjährlich wird die Indexzusammensetzung geprüft. Dafür spielt neben der Bedeutung einzelner Agrarerzeugnisse für die Produktion der Biokraftstoffe auch die Liquidität der Kontrakte eine Rolle. Zudem darf kein Bestandteil mehr als 30 Prozent Gewicht haben, was monatlich neu justiert wird.
Stärkere Auswirkungen als auf die Futures hat das Wachstum der Ethanol- und Biodieselsparte auf die Kurse der Aktien des Sektors. Dazu zählt etwa der Agrarkonzern Archer Daniels, der eine große Ethanolproduktion besitzt, oder Zuckerhersteller wie Südzucker, die britische Tate & Lyle oder Australiens CSR. Diese Firmen sind mit fast 50 Prozent Anteil im Biokraftstoff-Basket von HSBC Trinkaus & Burkhardt vertreten. Hinzu kommen noch Düngemittelhersteller wie Syngenta (15) und KWS Saat (5) sowie Biolraftstoffanlagen-Bauer wie GEA (10) und Abengoa (7,5) sowie einige kleinere Werte wie Biopetrol und EOP Biodiesel.
Die Korb- überzeugt ebenso wie die Gebührenstruktur, erhalten doch Anleger die Hälfte der Dividenden. Dafür wird der Basketinhalt bis zur Fälligkeit in zwei Jahren nicht überprüft — auch Titel, die einen Totalverlust erleiden, bleiben im Korb. Unverständlich ist zudem die kurze Laufzeit bei diesem Langfristthema. Dennoch ist das Papier interessant. Zum einen sind die Titel schon angesprungen, zum anderen wird auf mehrere Werte gestreut.
Sowohl die Aktien als auch Zucker, Raps & Co. unterliegen heftigen Schwankungen. Die Chancen überwiegen aber bei beiden Papieren eindeutig die Risiken. Da die Aktien mit einem Hebel auf Preisänderungen der Agrarprodukte reagieren, sind mit ihnen höhere Gewinne — aber auch Verluste — möglich. E.EDER
Download als PDF: 060615_bo.pdf [1,5 MB]
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