PRESSESPIEGEL
Ausgabe: 06/28, Der Aktionär
Nach einem Kursverlust von mehr als 75 Prozent notiert
der Biodiesel-Produzent Biopetrol unter Emissionsniveau. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Gewinnwarnungen sind bei Aktionären ungefähr so beliebt wie Fußpilz. Macht
sich zeitgleich noch der Vorstandschef aus dem Staub, ist Panik vorprogrammiert.
Anleger geschockt
Mit einem Tagesverlust von fast 50 Prozent quittierten Börsianer die Biopetrol-Meldung
vom 21. Juni, wonach der im schweizerischen Zug ansässige Biodiesel-Produzent
seine Gewinnziele im laufenden Jahr nicht erreichen wird. Als Folge der von
der Bundesregierung beschlossenen Besteuerung von Biokraftstoffen seien die
Margen zuletzt stark unter Druck geraten.
Im Gespräch mit dem AKTIONÄR wird Verwaltungsratspräsident Werner Klink konkreter. 2006 sei ein Jahresüberschuss über dem Vorjahresniveau von 3,18 Millionen Euro wahrscheinlich. Nach Schätzungen des AKTIONÄRS dürfte Biopetrol auf ein Ergebnis je Aktie von rund zehn Cent zusteuern.
Für 2007 sei ein erneutes Gewinnplus zu erwarten. Allerdings dürften die Margen vorerst unter Druck bleiben, da auch eine Beimischungspflicht von weniger als fünf Prozent den zu erwartenden rückläufigen Absatz von reinem Biodiesel nicht auffangen könne. Eine Entspannung der Situation verspricht sich Klink von der Inbetriebnahme der neuen Anlagen in Rostock und Rotterdam, wodurch sich der Auslandsanteil der Umsätze bis 2008 auf rund 60 Prozent erhöhen soll.
Fader Beigeschmack
Dass zeitgleich mit der Gewinnwarnung der "aus persönlichen Gründen" erfolgte
Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Christoph Dicks bekannt gegeben wurde,
bezeichnete Klink als "reinen Zufall". Jedoch wird sich durch das Ausscheiden
Dicks der ursprünglich für Herbst 2006 angepeilte Wechsel in den Prime Standard
nun um ein halbes Jahr verzögern.
Zu den Verlieren im Fall Biopetrol gehören unter anderem diejenigen institutionellen Investoren, die noch Ende April ein Paket von drei Millionen Aktien aus dem Bestand der Altaktionäre um den Mehrheitseigner Klink erworben hatten. Nach Aussage Klinks war zu diesem Zeitpunkt der nun eingetretene Margenverfall noch nicht absehbar.
(Noch) im freien Fall
Nachdem auch das bisherige Allzeittief im Bereich des Emissionspreises von
8,20 Euro den Absturz nicht bremsen konnte, befindet sich die Biopetrol-Aktie
im charttechnischen Niemandsland. In der vergangenen Woche hatte sich der Verkaufsdruck
noch erhöht, da kein Fondsmanager das neue Sorgenkind des Entry Standards
zum Stichtag 30. Juni in seinem Portfolio aufweisen wollte. Dies könnte Tradern
die Chance auf eine technische Erholung eröffnen. Für konservative Anleger
gilt vorerst: Finger weg! lam
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